Behind the Blog


In meiner Geburtsurkunde steht geschrieben - Anika Ingeborg Schmidt. Du kannst mich aber ganz einfach nur An nennen. Geboren bin ich 1987 und wohne in einem 700-Seelen-Dorf, irgendwo im Norden Thüringens.



Seit meiner Ausbildung zur staatlich geprüften Diätassistentin habe ich ein gestörtes Verhältnis zum Thema Food entwickelt (so sehen es zumindest meine Mitmenschen, die ehr Anhänger der deftigen Thüringer-Küche sind):
* Grünfutter ist mein Fleisch - auf meinen Teller kommt nur vegan 
* ich koche am liebsten alles selbst - dank Haltbarmachen und Vorratshaltung kein Problem
* wenn etwas schimmelt, koch ich noch ein Pilzgericht daraus. Ich hasse den respektlosen und verschwenderischen Umgang von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln! Foodsave ist für mich kreatives Kochen.
* Klasse! anstatt Masse - ich brauche kein 3-Gänge-Menü  
* die einfachsten Dinge sind oft die Besten - ein Möhrchen frisch aus der Erde schmeckt immer noch am besten
* am liebsten gehe ich in der Natur meine Lebensmittel einkaufen - Wildkräuter for President!
* bin ein großer Fan des Urban-gardening - leider für mich nur begrenz machbar - habe einen schwarzen dunkelgrauen Daumen 
* im Abendkleid kochen und dabei sauer bleiben - jupp, bekomm ich hin (beim Backen reicht ein Esslöffel Mehl und ich bin schneeweiß)
* die Küche ist für mich ein Ort des Zusammen-seins und des Experimentierens mit Lebensmitteln und Garmethoden  
* Fanatisch nach interessanten und nützlichen Küchen-Gadgets
Apfelleder - natürliches Fruchtgummi // Brühe aus Gemüseabfällen // Löwentahnhonig 




Aber so ganz neu ist mein Anders-sein, für meine Mitmenschen nicht. Schon als 5-jähriger Hosenscheißer habe ich schnelle Bobby-Cars bevorzugt. Nur blöd für meine Eltern, dass sie mir ein "Bobby-Car"-LKW mit großer Ladefläche schenkten.
Als Enkelin eines Tischlers und einer Näherin, hat mich Werkzeug und Handarbeit schon von kleinauf interessiert. Da ist es doch nahe-liegend, dass klein An, das Werkzeug des Vaters klaut und im LKW spazieren fährt ... und später (mit 8 Jahren) die Käfigeinrichtung für ihre ersten pelzigen Mitbewohner selbst bauen wollte.
Tja, meine Eltern hatten es nicht leicht mit mir - immer war Werkzeug weg, immer konnte ich Dieses und Jenes gebrauchen, um etwas daraus zu bauen oder zu basteln. Jedoch danke ich ihnen von Herzen, dass sie mich immer unterstützten und auch so erzogen, dass ich ohne fremde Hilfe ein Loch in die Wand bekomme ... 

In Laufe der Jahre habe ich mich von einem-Loch-in-die-Wand-hämmern zum ich-bau-mir-meine-Möbel-selbst weiter entwickelt.




Im Juli 2011 habe angefangen gegen das Wegwerfverhalten und den Massenkonsum in meinem Familien- und Bekanntenkreis zu rebellieren. Als DDRler war es normal Nichts zu haben ... du wurdest zum Selbermachen gezwungen (Not macht schließlich erfinderisch)
Nach der Wiedervereinigung, als plötzlich alles im Überfluss vorhanden war, wurde Selbermachen total out und Kaufen in. Selbermachen bekam den faden Beigeschmack von sich-nichts-leisten können-und-deshalb-selbst-machen-müssen. Diese Einstellung ist heute noch teilweise sehr stark vertreten. 
Teil meiner unbewussten Rebellion war das Starten eines Blogs. Ich wollte zeigen, dass sich Recycling nicht nur auf ein Thema bezieht, sondern eine große Bandbreite abdecken kann.... Ich wollte zeigen, dass Recycling nicht nach schäbig zusammengewürfelt aussehen muss ... Ich wollte zeigen, dass Recycling alltagstauglich sein kann. Nach und Nach habe ich nicht nur meine gebastelten, genähten und gebauten Werke auf dem Blog gezeigt, sondern auch angefangen kostenlose Anleitungen bereit zu stellen, Rezepte zu veröffentlichen und Kreativprodukte vorzustellen.




Wie ich zum Nähen kam? Kurz nachdem ich den Blog startete nahm ich ein herrenloses Katzenkind auf. Plötzlich wollte ich Spielzeug und Kuschelkissen für das Katzentier nähen können. Als Kind hatte ich schon einmal so eine Anwandlung - ich zerschnitt meine T-Shirts weil sie mir zu langweilig waren und trug sie (Nadel und Faden bzw. Nähmaschine brauchte ich in Kindertagen nicht).

Ich besorgte mir eine Nähmaschine, durchstöberte das Internet, lass Bücher und fing an, mir das Nähen selbst beizubringen. Für erste Nähversuche musste ausrangierte Bettwäsche herhalten. Nach Katzenzubehör folgten Kleinigkeiten für das Hundetier, Dekokram für mich und die vier-Wände.
Die Einsatzgebiete meiner Nähereien änderten sich - das Nähen mit recycelten Textilien blieb. Mittlerweile folgte ich unzähligen Nähblogs und war sehr schnell gelangweilt von den immergleichen Stoffen, die ich sah. So stellte sich schnell die Liebe zu alten und kaputten Textilien ein (die andere in die Mülltonne schmeißen würde). Wenn ich heute durch die City laufe, sehe ich um mich herum Menschen, die aufregende Muster/Farben/Texturen tragen, aus denen ich so tolle Kissenbezüge/ Taschen & co nähen könnte.

 Aktuell bilde ich mich im Bereich tragebare Mode aus recycelten Textilien weiter. 

Rock aus Gardine & Bettdeckenbezug // Tassenuntersetzer aus Spannbettlaken // Beutel aus Jeanshose & Polsterbezug




Manche Begegnungen kann man wohl nur als Schicksal bezeichnen. So geschehen, als 4 Jahre nach Blogstart, eine Suchmaschinen-Nutzerin auf meinem Blog landete und sah, dass ich mit recycelten Textilien nähte und (laut Aussage meiner Profilbeschreibung) in einem sozialen Beruf arbeitete. Sie schrieb mich an, ob das Nähen für Demenzkranke nicht etwas für mich wäre, da in der terapieunterstützenden Demenznäherei alte Kleidung eingesetzt wird.

Warum ausgerechnet diese E-Mail Schicksal war? Weil Alzheimer, seit ich denken kann, ein großes Thema in meiner Familie ist. Ich weis wie es ist, wenn Oma plötzlich nicht mehr Oma ist. Wenn Oma aggressiv wird oder von der Polizei gesucht wird. Ich kenne die Hilflosigkeit und besorgten Blicke in die Zukunft. 
Ich recherchierte, las Fachliteratur, sprach mit befreundeten Pflegekräften und fing an mein erlerntes Wissen mit dem Selbermachen zu kombinieren, umzusetzen und an andere Betroffene weiter zu geben. 

Mittlerweile ist die Themenreihe Nähen für Demenzkranke das meistgeklickte Thema auf meinem Blog. Das Feedback, dass ich von Lesern erhalte, (die meine Anleitungen und Anregungen umsetzen oder denen ich meine genähten Unikate zur Verfügung stelle) ist einfach überwältigend und inspiriert mich immer wieder zu neuen therapieunterstützenden Kreationen. 

Auch wenn ich mit diesen Nähereien kein Alzheimer heilen kann, so kann ich doch zumindest das Wohlbefinden des Erkrankten und das Leben mit der Krankheit für die Angehörigen ein wenig besser machen. Ich will Angehörigen wenigstens ein klein wenig die Hilflosigkeit und Ohnmacht nehmen und zeigen, dass man auch durch kleine Dinge eine große Wirkung erzielen kann. 

Es vermag nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber auch ein Tropfen kann zu einem Fluss anschwellen und ins Meer münden.





Es gibt so viele gute und kostenlose Bastel-/ Nähanleitungen und Rezepte im WorldWideWeb. Was also ist besonders an meiner Arbeit??? Nun, in erster Linie bin ich authentisch und ehrlich. Wenn etwas nicht funktioniert, dann teile ich das auch mit. Fehler sind schließlich etwas Gutes. Sie geben mir einen Anreiz daraus zu lernen, es das nächste mal besser zu machen und mich dadurch zu entwickeln. Ich wäre heute nicht das, was ich bin, wenn ich keine Fehler gemacht hätte!

DIY-Anleitungen / Rezepte: Ich erkläre und teile mich am liebsten durch Bilder mit. Das fließt auch sehr stark in meine Anleitungen/ Rezepte mit ein. Du wirst bei mir keine ellenlang geschriebene "Gebrauchsanweisung" finden. All meine Rezepte/Anleitungen erkläre ich mit Hilfe einer ausführlich bebilderten Diashow ... oder bei kurzen Lifehacks, in Form eines Videos. Die wichtigsten Fakten, kurz und verständlich auf den Punkt gebracht, ohne dass ich dir ein Gespräch ans Knie nagele oder mein Gesicht in die Kamera halte - das ist mein Kredo.
Alle weiteren zusätzlichen Infos/Tipps/Tricks findest du dann übersichtlich unter dem Video ... und falls du inspiriert bist, dir aber Materialien fehlen, liefere ich dir noch passende Einkaufstipps.

Upcycling/ Recycling: Um die Wertigkeit meiner Projekte zu erhöhen, kombiniere ich alte mit neuen Materialien. Jedes auch noch so kleinste recycelte Schnipselchen Material, bekommt seinen Platz in einer Aufbewahrungsbox. (Ordnung ist beim Arbeiten mit vielen unterschiedlichen recycelten Materialien ein MUSS) Ich kann dir ganz genau sagen, wo dieses kleine Perlchen/Knopf/Stück Stoff ... angebracht war und wie es bei mir eingezogen ist. Man nennt das wohl fotografisches Gedächtnis. Für mich ist es einfach nur ein gedankliches Ordnungssystem, um zu wissen, was ich da habe und wo ich es verarbeiten könnte.
Sehr oft sieht man meinen Werken aber gar nicht an, dass bzw. welches Material recycelt wurde. Darum gebe ich dir unter jedem  Projekt eine Auflistung der Materialien geordnet nach
neues Material: wurde gekauft
recyceltes Material: wurde recycelt
Materialien aus der Natur: wurde von mir gesammelt, getrocknet und verarbeitet


Produktvorstellungen: Als total neugieriger Mensch, der Dinge gern kennenlernt, indem er sie ausprobiert, liebe ich kreative Produkte zum nähen/ basteln/ bauen/ stricken/ häkeln/ kochen/ backen. Warum sollte ich meine Leidenschaft nicht mit dir teilen können? Ich stelle dir Kreativprodukte vor, die ich wirklich nutze und teile meine Erfahrungen und Einkaufstipps. Zwei besondere Teile der Produktvorstellung sind meine Auspackvideos und die Anwendungsvideos.
Auspackvideo: Hier kannst du mit mir gemeinsam das Paket auspacken und direkt mit im Paket stöbern.
Anwendungsvideos: Wie funktioniert dieses Produkt und wie wendet man es an? Manchmal muss man es einfach in Aktion sehen um es zu verstehen.



Ich durfte auch schon als Autorin für einige Verlage tätig sein ... 

2012  
~ "Unicum-Verlag" // Magazin: Unicum // Thema: die perfekte WG-Party // mein Beitrag:  Bastelanleitung für eine Knabberschalen aus Schallplatten

2015 
~ "PARTNER Medien Verlags- und Beteiligungs GmbH" // Magazin: Upcycling - Sonderheft Patchwork Magazin Nr. 11 // Thema: Upcycling mit Stoff & Wolle // mein Beitrag: Nähanleitung Rette deine Lieblingsjacke

2016 
~ Frechverlag // Buch: Reloved - die besten Upcycling-Ideen für ein buntes Zuhause // Thema: Upcycling mit Papier & Wachstuch // mein Beitrag:  Bastelanleitung Geschenkanhänger aus Straßenkarten & Nähanleitung Lunchbags aus Wachstuch






Nachdem ich den Text niedergetippt habe, wird mir erst einmal bewusst, was ich dank des Bloggens erreicht habe. Ich habe meine handwerklichern Fähigkeiten verbessert, habe neue Techniken erlernt, meinen Wissensstand erweitert, durfte kreative Menschen kennenlernen, mit Verlagen/ Shops/ Marken zusammenarbeiten, meine Neugier stillen, Ideen teilen, mich inspirieren lassen .... und ich sehe kein Ende! 

Mein Ziel ist es den Moment zu genießen, nach vorn zu schauen (nicht zurück), mich auf Dinge zu freuen, die irgendwo in der Zukunft da draußen auf mich warten ...

~~~Mein Weg ist mein Ziel~~~



Ein großer Dank gilt all den Menschen, die mich in meinem Leben begleiten und begleitet haben. Ihr habt mich zu dem gemacht, was ich heute bin.


Besonderer Dank
Opa - durch dich habe ich gelernt, dass sich wahrer Reichtum nicht in Banknoten messen lässt und dass es sich immer lohnt, für seine Träume hart zu arbeiten.  

Oma - ich habe gesehen wie sich deine Welt verändert hat, habe gesehen, dass niemand wusste wie man dir helfen konnte. Aber wir alle haben uns weiterentwickelt. Ich werde meinen Teil beitragen, um das Leben mit dieser scheiß Krankheit, für andere Familien, erträglicher zu machen.


Danke, dass ihr mich heute immer noch auf meinem Lebensweg begleitet!